Was wurde in den drei Pubs konkret getestet?

Die Forschenden führten alkoholfreies Bier in drei britischen Pubs in drei aufeinander aufbauenden Schritten ein und werteten neun Monate lang die täglichen Verkaufsdaten aus. Jedes Pub erhielt zuerst alkoholfreie Dosen im Kühlschrank, dann Plakate, dann alkoholfreies Bier am Zapfhahn anstelle einer herkömmlichen Fassbier-Linie. Interviews mit Wirtinnen, Wirten und Personal ergänzten die Zahlen.

Der Aufsatz trägt den Titel "Nudging drink choice in pubs: the impact of introducing alcohol-free beer on alcohol sales and venue revenues" und stammt von Nadine Waehning, Victoria Wells und Franziska Sohns. Waehning forscht an der School for Business and Society der University of York, Sohns ist Associate Professor für Wirtschaftsgeographie an der Anglia Ruskin University. Angenommen wurde der Text am 15. September 2026, online erschien er am 25. September 2026 unter der DOI 10.1111/dar.70271.

Ein Nudge verändert in der Verhaltenswissenschaft die Umgebung einer Entscheidung, ohne eine Option zu streichen. Die drei Schritte entsprechen drei Hebeln: Verfügbarkeit (Dosen), Information (Plakate hinter der Theke und in den Toiletten) und Funktion (der Zapfhahn). Alle Pubs erhielten alle Schritte in derselben Reihenfolge. Das Design ist quasi-experimentell und nicht randomisiert, und kein Pub blieb als Vergleich unberührt.

SchrittMaßnahmeBerichtete Wirkung
1Alkoholfreie Dosen in den Kühlschrank-AuslagenMit geringeren Wein- und Spirituosenverkäufen verbunden
2Werbeplakate hinter der Theke und in den ToilettenBegrenzte Wirkung
3Alkoholfreies Bier am Zapfhahn anstelle einer herkömmlichen Fassbier-LinieDeutlicher Anstieg alkoholfreier und alkoholarmer Verkäufe; mit geringeren Softdrink-Verkäufen verbunden
GesamtDrei Pubs, neun Monate tägliche VerkaufsdatenKeine negative Wirkung auf den Getränkeumsatz; Verkäufe alkoholhaltigen Biers nicht gesunken

Hat alkoholfreies Fassbier die Einnahmen der Pubs geschmälert?

Eine negative Wirkung auf den Getränkeumsatz wurde nicht berichtet. Die Anglia Ruskin University hält fest, dass die Änderungen die Gesamteinnahmen nicht belasteten und die Verkäufe alkoholhaltigen Biers nicht sanken, die University of York spricht von keinem negativen Effekt auf den Getränkeumsatz. Beide Mitteilungen nennen weder Beträge noch Prozentwerte noch Mengen.

Das Fehlen von Zahlen bestimmt den Umgang mit dem Befund. Die Richtung ist im Abstract eindeutig: Der Zusatz alkoholfreien Biers ging mit geringerem Wein- und Spirituosenumsatz einher, während der Gesamtumsatz der Getränke gleich blieb. Die Größe jeder Bewegung steht nicht im Pressematerial, und der Volltext wurde für diese Seite nicht gelesen, nur das Abstract und die beiden Hochschulmitteilungen. Ein Betrag für den Verlust bei Wein und Spirituosen oder für den Gewinn bei alkoholfreiem Bier ist deshalb nicht geprüft, und keiner wird genannt.

Ein zweiter Vorbehalt betrifft das Wort Umsatz. Die Quellen beschreiben Einnahmen, keine nennt die Marge je Getränkekategorie. Ein alkoholfreies Pint anstelle eines Glases Wein kann die Kasse gleich lassen und den Gewinn dennoch verändern, je nach Preis und Einkaufskosten, in beide Richtungen.

Welche Getränke verloren Verkäufe, als alkoholfreies Bier auftauchte?

Die Mitteilung der Anglia Ruskin University verbindet alkoholfreie Dosen mit geringeren Wein- und Spirituosenverkäufen und die Fassvariante mit geringeren Softdrink-Verkäufen, alkoholhaltiges Bier blieb in beiden Fällen unberührt. Diese Aufteilung ist das unerwartetste Ergebnis: Das alkoholfreie Pint vom Hahn zog Gäste an, die sonst ein Getränk ohne Alkohol bestellt hätten.

Gängige Kommentare nehmen an, alkoholfreies Bier konkurriere mit Alkohol. In diesen drei Pubs verhielt sich die Zapfvariante anders: Der Rückgang zeigte sich bei den Softdrinks, und das alkoholhaltige Bier behielt seine Menge. Warum das Format den Ursprung der Verschiebung ändert, erklären die ausgewerteten Quellen nicht. Eine Lesart, ausdrücklich als Lesart und nicht als Befund, sieht im gezapften Pint eine soziale Rolle, die die Dose nicht ausfüllt, und gewinnt so Gäste, die sich bis dahin auf ein Softgetränk beschränkten.

Auch die Temperatur spielte mit. Beide Mitteilungen berichten von höherer Nachfrage nach alkoholfreien und alkoholarmen Getränken bei warmem Wetter. Eine Reihe über neun Monate umfasst zwangsläufig mehrere Jahreszeiten, sodass sich die Wirkung der Nudges und die des Kalenders in denselben Daten mischen, was der Abschnitt über die Grenzen aufgreift.

Warum schnitt der Zapfhahn besser ab als Dosen und Plakate?

Physische Änderungen der Verfügbarkeit bewegten die Verkäufe, Plakate nicht, womit der Zapfhahn zu den stärksten getesteten Hebeln zählt. Die University of York berichtet, dass Gäste häufig ein frisch gezapftes Pint der alkoholfreien Dose vorzogen, und die Anglia Ruskin University beschreibt einen starken Anstieg alkoholfreier und alkoholarmer Verkäufe nach der Installation des Hahns.

Das Plakat-Ergebnis verdient Aufmerksamkeit, weil Information der günstigste Nudge ist. Beide Mitteilungen bewerten die Wirkung als begrenzt. Die Reihenfolge der Schritte bedeutet zudem, dass der Hahn zuletzt kam, als Dosen und Plakate schon standen. Wie ein Hahn allein in einem Pub ohne Dosen und Plakate abgeschnitten hätte, lässt sich aus den Daten nicht ablesen.

Der alkoholfreie Hahn ersetzte eine herkömmliche Linie, das Ergebnis ist also eine Abwägung bei fester Zahl von Linien und kein Zusatz. Das Fass verursacht eigene Kosten für Reinigung und Umschlag, und die Seite zu alkoholfreiem Bier vom Fass und seiner Haltbarkeit behandelt, wie lange ein angestochenes Fass in Form bleibt. Die Interviews mit Wirtsleuten und Personal bilden die zweite Hälfte der Methode, ihr Inhalt wird im Pressematerial nicht zusammengefasst.

Wie verhält sich die Studie aus York zum Versuch in Bristol von 2024?

Ein randomisierter Cross-over-Versuch in 14 Pubs und Bars in Bristol (England), im März 2024 in Addiction veröffentlicht, ergab 29 Liter weniger alkoholhaltiges Bier pro Woche, rund 5 Prozent, sobald alkoholfreies Bier vom Fass angeboten wurde, bei unveränderten Gesamteinnahmen. Die Studie aus York und Anglia Ruskin unterscheidet sich in Design, Dauer und berichteter Wirkung auf alkoholhaltiges Bier.

MerkmalYork und Anglia Ruskin (2026)Bristol (2024)
DesignNicht randomisierter Vorher-nachher-Vergleich, drei aufeinander aufbauende NudgesRandomisierter Cross-over-Feldversuch
Betriebe (Anzahl)3 Pubs14 Pubs und Bars
Dauer9 Monate tägliche Verkaufsdaten8 Wochen in wechselnden Phasen von 2 Wochen
Verkauftes alkoholhaltiges BierNicht gesunken29 Liter weniger pro Woche (etwa 51 Pints, 5 Prozent)
GesamteinnahmenKeine negative WirkungKeine Nettowirkung
FachzeitschriftDrug and Alcohol ReviewAddiction

Beide Studien stimmen beim Umsatz überein und weichen bei der Verdrängung ab. In Bristol wurde das nicht verkaufte alkoholhaltige Bier durch verkauftes alkoholfreies Bier ausgeglichen. In der Studie von 2026 sank das alkoholhaltige Bier nicht, und die Verluste trafen je nach Format Wein, Spirituosen oder Softdrinks. Unterschiedliche Betriebe, Jahreszeiten und Maßnahmen machen den direkten Vergleich der beiden Größenordnungen unsicher, und keine ausgewertete Quelle versucht ihn.

Was kann eine Studie mit drei Pubs nicht zeigen?

Die Studie umfasst drei Pubs und neun Monate, wendet überall dieselbe Abfolge an und kennt kein unberührtes Vergleichspub. Sie trennt deshalb die Wirkung der Nudges nicht von Jahreszeiten, Veranstaltungen oder örtlichen Gewohnheiten. Die Mitteilungen enthalten weder Stichprobengrößen noch statistische Tests noch Margen, und die Meldung aus York nennt keine Einschränkungen.

Das Wetter ist der deutlichste Störfaktor: Die untersuchten Getränke laufen bei Wärme besser, und die Nudges wurden nacheinander über dieselben Monate eingeführt. Die Finanzierung ist in der Mitteilung nicht angegeben. Ein Befund aus drei Betrieben beschreibt diese Betriebe und begründet keine Quote für eine Branche. Der Aufsatz durchlief eine Begutachtung in einer Fachzeitschrift, und sein Abstract richtet sich an Pub-Betreiber und politische Entscheidungsträger, doch die Größe des Effekts in einem anderen Pub, einer anderen Stadt oder einem anderen Land ist nicht gemessen.

Was bedeutet das Ergebnis für Gastronomen in Deutschland und Österreich?

Die Studie enthält keine Daten aus Deutschland oder Österreich, ein Effekt auf den Umsatz einer hiesigen Gaststätte lässt sich daraus nicht ableiten. Übertragbar ist eine Gestaltungsfrage und keine Prognose: Eine physische Option am Ort der Bestellung bewegte die Verkäufe, ein Plakat nicht, und ein Hahn, der eine Linie ersetzt, muss sich gegen die verdrängte Linie behaupten.

Den Hintergrund bildet ein Markt, der sich bereits bewegt, wie die Seite zum Marktanteil alkoholfreien Biers in Europa und Deutschland zeigt. Ob das Angebot die getrunkene Menge ändert, ist eine eigene Frage, die die Seite dazu, ob alkoholfreies Bier hilft, weniger zu trinken, behandelt. Wer die Kalkulation am Hahn prüfen will, findet die Preislogik auf der Seite warum alkoholfreies Bier so teuer ist.

Senkt alkoholfreies Bier vom Fass den Umsatz eines Pubs?

In einer Studie mit drei Pubs, erschienen am 25. September 2026 in Drug and Alcohol Review, wurde keine negative Wirkung auf den Getränkeumsatz berichtet. Weder die University of York noch die Anglia Ruskin University nennen Beträge, die Größe einer Veränderung bleibt daher unbekannt.

Wo erschien die Studie von York und Anglia Ruskin?

Sie erschien in Drug and Alcohol Review als Artikel e70271 mit der DOI 10.1111/dar.70271, angenommen am 15. September 2026 und online veröffentlicht am 25. September 2026. Autorinnen und Autoren sind Nadine Waehning, Victoria Wells und Franziska Sohns.

Ersetzte alkoholfreies Bier in der Studie alkoholhaltiges Bier?

Nein. Die Anglia Ruskin University berichtet, dass die Verkäufe alkoholhaltigen Biers nicht gesunken sind. Alkoholfreie Dosen gingen mit geringeren Wein- und Spirituosenverkäufen einher, die Fassvariante mit geringeren Softdrink-Verkäufen.

Wie viele Pubs und welche Laufzeit hatte die Studie?

Drei britische Pubs wurden neun Monate lang anhand täglicher Verkaufsdaten begleitet, ergänzt um Interviews mit Wirtsleuten und Personal. Der Versuch in Bristol von 2024 umfasste 14 Betriebe über acht Wochen.

Quellen

  • University of York, Offering alcohol-free beer on tap boosts pub choices while keeping revenues intact (Pressemitteilung vom 8. Oktober 2026): drei Pubs, drei aufeinander aufbauende Nudges, keine negative Wirkung auf den Getränkeumsatz, begrenzte Wirkung der Plakate, sinkende Wein- und Spirituosenverkäufe, höhere Nachfrage bei Wärme. Abgerufen am 21. Oktober 2026.
  • Anglia Ruskin University, Low alcohol doesn't mean low takings (Pressemitteilung vom 9. Oktober 2026): Verkäufe alkoholhaltigen Biers nicht gesunken, Dosen mit weniger Wein und Spirituosen verbunden, Fass mit weniger Softdrinks verbunden, Zitat von Franziska Sohns. Abgerufen am 21. Oktober 2026.
  • White Rose Research Online, Waehning N, Wells V, Sohns F, Nudging drink choice in pubs: the impact of introducing alcohol-free beer on alcohol sales and venue revenues, Drug and Alcohol Review, e70271 (angenommen am 15. September 2026, online am 25. September 2026), DOI 10.1111/dar.70271: Abstract, neun Monate tägliche Verkaufsdaten, drei Pubs, Interviews mit Wirtsleuten und Personal. Abgerufen am 21. Oktober 2026.
  • University of Bristol, Pressemitteilung vom 21. März 2024 zum randomisierten Cross-over-Feldversuch in Addiction (Maynard, Attwood, Munafò und Kolleginnen und Kollegen): 14 Pubs und Bars, acht Wochen, 29 Liter weniger alkoholhaltiges Bier pro Woche, keine Nettowirkung auf die Einnahmen. Abgerufen am 21. Oktober 2026.
  • Berechneter Wert: 29 Liter geteilt durch 0,568 Liter je britischem Pint ergibt rund 51 Pints.